Über Pathogenese, Therapien und Übertragungswege im Alltag ist nun mittlerweile knapp ein Jahr nach Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie einiges bekannt. Wenig weiß man jedoch vergleichsweise über das Infektionsgeschehen im Sport, im Spezielleren bei Kontaktsportarten. Im Profisport hat man sich Größtenteils auf eine Hygienekonzept mit sozialer Absonderung und regelmäßigen Screeningtests beholfen. Zum Teil wurden Veranstaltungen aufgrund einzelner positiver SportlerInnen abgesagt. Erste Hinweise wie hoch das Ansteckungsrisiko bei Kontaktsportarten nun tatsächlich ist, versuchen je eine Fußball-Studie aus Quatar und eine Rugby-Studie aus Großbritannien näher zu beleuchten.
Retrospektive Rugby-Studie
Für diese retrospektive Studie aus Großbritannien wurden insgesamt vier Spiele der Britischen Super League analysiert an der nachgewiesenermaßen SARS-CoV-2 positive Spieler teilnahmen. Alle anderen Spieler wurden je nach Kontaktqualität in high- und low-risk Gruppen eingeteilt. Primärer Endpunkt war eine positve PCR-Testung innerhalb der nächsten 14 Tage nach dem Spiel.
Initial waren acht Spieler SARS-CoV-2 Positiv auf dem Feld, insgesamt waren 136 Spieler in der Studie eingeschlossen. Im analysierten Zeitraum kam es nur zu einer einzigen Infektion eines high-risk Spielers sowie bei fünf low-risk Spielern.
Somit gehen die Verfasser der Studie davon aus, dass eine tatsächliche Transmission von SARS-CoV-2 während einem der Spiele nicht nachgewiesen werden konnte. Vielmehr denkt man, dass die dargetellten Ansteckungen vermutlich nicht im Zusammenhang mit dem Spielgeschehen, sondern eher im Rahmen externer sozialer Interaktionen stattgefunden haben.
Prospektive Fußball-Studie
In dieser Studie aus Quatar hat man versucht das Infektionsgeschehen prospektiv innerhalb einer gesamten Fußball-Liga zu analysieren. Insgesamt wurden 1337 Individuen (Spieler, Trainer, Schiedsrichter) in die Studie eingeschlossen und über 9 Wochen beobachtet. Zur Zeit der Studie zählte Quatar zu den Ländern mit einem der höchsten Infektionsraten, in der Liga selbst gab es ein Hygienekonzept mit regelmäßigen SARS-CoV-2 PCR Testungen (2-3x pro Woche).
Insgesamt wurden im Studienzeitraum 85 Personen positiv aus SARS-CoV-2 getestet, was ziemlich genau der Infektionsrate unter der Normalbevölkerung entsprach. Mehr als die hälfte der infizierten Personen waren asymptomatisch, alle anderen hatten ebenfalls einen schwachen Verlauf ohne Hospitalisierung. Keine der Infektionen konnte direkt einem Spiel oder Trainingseinheiten zugeordnet werden. Vielmehr waren die Infektionen im sozialen und familiärem Umfeld aufgetreten.
Fazit
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Studien noch zu wenig Aussagekraft zeigen um tätsächlich eine Empfehlung abzugeben. Trotzdem geben sie einen Hinweis darauf, dass Kontaktsportarten, vor allem im Freien, vermutlich ein wesentlich niedrigeres Infektionsrisiko darstellen als bisher angenommen. Um ganze Mannschaften vor einem Ausbruchsgeschehen zu bewahren, muss weiterhin auf regelmäßige Testungen und Reduktion der externen sozialen Kontakte geachtet werden.
